gurken wie ich nicht gedacht habe

einer der lieblingsgrabsteine nebenan sagt 'die mutter wars'
ich sag die bedeutungslosigkeit wars.

es gab keine tradition des denkens*, oder reflektierens wo ich herkomme. das konnte nix werden. vermutlich hab ichs mit 14 gelernt. durchs fernsehn. angestossen durch befreiung vom anerzogenen glauben. ja, in der tat - im dorfe waren die priester die intellektuellen. die lehrer (provinz ist da wo man lehrer für i. hält) - nunja....oma war einer. erzieher trifft es eher.
irgendwo zwischen national-und neuem sozialistischen aftermath. also nichtmal versteckter intellektualismus. gedachte knickse und fressehalten wenn erwachsene reden. und überhaupt: verhalten. kirche und instrument lernen - man hatte sich an der grotesken vorstellung verbissen das kind+flöte (oder irgendein anderes möglichst nicht allzuteueres instrument, aber nie frei, sondern nur unterrichtet) den weg in das was sie unter bürgerlichkeit verstanden ebnete. aber schon die muddi hatte klavier gelernt und war statt lehrerin für die unterstufe...well....tippse geworden.
so I had to jack off to martin eden, das ich zusammen mit nexös ditte und whoeverwrote its der eiffelturm bleibt in paris auf dem speicher fand. veröffentlich 1913.
und wir reden von den 90ern. es gab eine schulbibliothek, ja...zugang zu den 'erwachsenenbüchern' aber nicht. und irgendwann wuchs ich aus eisenherz und erst recht der puckireihe raus. bzw. in letztere garnicht erst rein.

natürlich kann man dagegen ankämpfen dass einem der kopf viel eher mit dem kufsteinlied denn frühen schwitzigen nietzsche-endeckungen gefüllt ist - aber man wird scheitern.
(das universelle scheitern, schnell ausgekundschaftet ist nicht das problem, und vermag keinen idealisten, gluecklicherweise, aufzuhalten) das persönliche scheitern jedoch schon.
die jodelfolge vom kufsteinlied kann ich. an nietzsche erinnere ich mich keinen deut. gelesen hab ich ihn aber in dem park, in dem mir der erste und letzte joint angeboten wurde, ich war 15, und ablehnte.

natürlich dauerte es ein wenig mit all der einsicht. lange zeit, fueled von einer mischung aus kindlicher überzeugung ich sei ein alien, oder mindestens ein legitimer nachfahre irgendeines ritters der tafelrunde und später allgemeiner pubertärer überheblichkeit, devianz&selbsthass, war ich überzeugt davon dass mein grosser geistesstick aufragen könnte aus all der nonhistorie und bedeutungsarmut.
hätte ich damals gewusst dass es, auch im gerade zu meiner einschulung neuwiedermitvereinten osdn, eine mehr oder minder grosse ungewöhnlichkeit ist wenn ein kind von nichtakademikern, oder der einfachheit halber menschen die nach ihrem 18ten lebensjahr mit erwerbsarbeit begannen - abitur macht. natürlich ziehe ich auch in erwägung das trotz meines früh sich zeigenden, wenigstens schriftlichen intellekts, selbst mit bildungsempfehlung und gang aufs gymnasium mein scheitern ebenso wahrscheinlich gewesen wäre wie die tatsache dass ich garnicht erst für die höhere schule vorgeschlagen wurde. bildungsempfehlung realschule also. natürlich....im wunderbare demokratischen und niedrigschwelligen D hätte ich die möglichkeit gehabt nach oder während er berufsausbildung abendschulen und wirtschaftsgymnasien zu besuchen um dann, irgendwann mit mitte ende 20 das zu tun wofür ich früh wusste bestimmt zu sein: viel zu schlafen, diverse drogen auszuprobieren und mich für 1 oder 2 für dauerhaften konsum zu entscheiden, nicht zuviel aber wenigstens ab und an sexualkontakte zu allen denkbaren geschlechts und altersgruppen zu pflegen und ohne ziel geisteswissenschaftliches zu studieren. dieser, vermutlich ein jahrzehnt umfassende erster karrieresprung dem obdachlosigkeit oder diktatorenschaft folgen sollten blieb mir und der gesellschaft glücklicherweise von vornherein erspart - und es hätte nichtmal der einführung von studiengebühren bedurft. der fortpflanzungtrieb der niederen schichten reicht vollkommen aus.

aber eigentlich sind andere dinge wichtiger als all this whining about how bad the childhood was and that one was destined to be a looser in the first place - daher immer auch der relativierende hinweiss auf mein tatsächlich gemessenen geistesvermögen, dass sich immerhin ganz urkundlich festgehalten darin erschöpfte dass ichs nur sehr knapp schaffte selbst diesen mittleren schulabschluss zu bestehen.

was eigentlich, zumindest für mich, viel interessanter ist, war die feststellung des double fuckups. ungewolltes und benutzen wir das wort ruhig, geschlagenes kind zu sein ist ja die eine sache. eine reale sache. eine sache mit der ich umgehen kann. wohl auch dem geschuldete das es in meiner geeeeneration und herkunft kaum ein kind gab das nicht ab und an 'recht und links' eine runterbekam - als schlagen wurde/durfte das nicht bezeichnet werden. so war die welt eben. man empfand den asphalt, mit dem man aufgrund motorischer selbstüberschätzung häufiger kontakt hatte, oder das andere sandkastenkind welches einem eine handvoll sand im auge platzierte später nicht als unmenschliche grausamkeit die einem das verlerletzliche kinderseelchen pürierte. trotzdem (alle argumente die gegen diese art der 'erziehung' anzuführen sind in diesen klammern) - aber auch das ist noch nicht der punkt. kürzlich war nadine da. die gute ex-mitbewohnerin. sie hatte einen vater, alkoholiker, der die kinder zwar nicht mitten in der nacht salutieren/nach grösse aufstellen liess, wie das sonst bei alkoholikervätern tradition ist - sondern er schlug nur (nicht blutig, aber immerhin) mutter und kinder und fuchtelte mit einer waffe rum. zeugenschaft mutter, grosseltern, nadine und ihre schwester. solche themen kommen, egal wie kommunikationsarm ein familienverbund auch immer ist, und glauben sie mir kommunikationsarmut ist fast kein zutreffendes wort für die floskeln und grunzlaute die gemeinhin ausgetauscht werden....das thema kommt irgendwann auf.
nun der interessante teil: die mutter schweigt, bzw. weigert sich gänzlich teilzunehmen - die oma (meist der tatsächlich sprechende teil in einem grosselterngespann, opas verabschieden sich, so sie überhaupt noch leben, gemeinhin völlig aus jeder diskussion die sich nicht um heimwerken, manchmal sport, essen oder getane reisen drehen und tun sich, so sie den ort des geschehens nicht gleich verlassen noch maximal durch gelegentlichen brummeln oder nicken hervor das vermutlich zustimmung oder ablehnung der grossmütterlichen sprache bekunden soll)
leugnet. ja. sie leugnet. ohne einen einzigen evidenten hinweiss auf ihre behauptungen leugnet sie, sagt die kinder hätten selbstverständlich eine glückliche kindheit gehabt, alles andere sei lüge, und schluss.

das ist in etwa nadines geschichte. immerhin hatte sie, auch dank der schwesterlichen zeugenschaft, nie auch nur den geringsten zweifel an der geschichte.

ich wuchs aber immer mit dem gern ausgesprochenen vorwurf auf ich lüge ja ohnehin. und habe bis heute an allem was ich schreibe zweifel. zweifel ....zweifel. erst recht seit ich vom false memory-syndrom weiss. das gerade meine kindheit dazu führte das ich lange zeit ein verteidiger der unbedingten wahrheit war und wohl immernoch bin ist mit sicherheit kein argument dafür, dass ich recht habe - genausowenig wie ich insgeheim natürlich überzeugt davon bin das es...ähm...genauso war. ungeliebtsein und gewalt fucks you ganz ohne zweifel ab. gewaltig. und ausser einer möglichst gesunden balance aus verdrängung und therapie gibt es wohl kaum eine möglichkeit ein ansatzweise normales leben damit zu führen, je nach intensitätsgrad und dauer des erlebten - aber wenn all dieser erinnerungen verleugnet und als lüge dargestellt werden - und es niemanden gibt der einen in dem erlebten bestätigen könnte (einzelkind, schläge fanden nie in der öffentlichkeit statt) dann ist das wirklich der ultimative fuckup.
man muss fast sagen leider waren all die bemühungen einen menschen in den grundfesten zu erschüttern/zerstören nie zielgerichtet waren - im gegenteil - denn sonst könnte man wenigstens zu einem meisterstück in sachen wahrhaft-böse gratulieren - keine schöne sache dieses wahrhaft-böse, und ich bin die letzte die dieses handwerk nicht zu schätzen wüsste. es sei gepriesen, allein seiner seltenheit wegen.

nun ging/geht die welt aber nicht wegen manipulativen planvollen satänen unter - sondern hauptsächlich wegen bloedheit. (desinteresse und äh...kapitalismus². )

wenn meine meinung und die art meines denkens für die welt relevant wäre und ich also gefragt würde was ich den nachfolgenden generationen unbedingt mitteilen würde, so antwortete ich:
yola-ya-hu-dihi-dihi
yola-diha-dihei-do-yo
...bei uns in tirol!


und wenn sie den vorangegangenen txt aufmerksam gelesen haben, wissen sie auch, warum.


*natürlich hat man gedacht. jeder denkt. sie wissen schon. aber das durchschnittliche alter beim verlassen der schule war 14. given the ländliche herkunft, waren ernteeinsätze und ausfall der schule aufgrund harter winter+langer schulweg auch keine seltenheit - von der qualität der rohrstockinstitutionen auf dem lande garnicht erst zu sprechen. sogar die spätere lehrerin war kaum mehr als 10 jahre in der schule. aber dank lehrermangel und sozialistischen reformen war ihr nach berufsausbildung+tätigkeit am webstuhl [sic!] ein fernstudium möglich.
würde mich nicht wundern wenn die 80er irgendwann in den nächsten 10, 20 jahren im dorfe hinter den 7 bergen ankommen. heisser tipp: Catch A Gogo - 2 Shy
² ist immer gut. liegt man nie richtig falsch mit. und es klingt nicht so biblisch wie gier.
³ mutprobe achten sie auf den überkreuzgang, das sog. schunkeln und den 'anlegbaren kragen' (0:37) der wie eine häkeldecke aussieht. das trug man in den kreisen. auch ich musste sowas bei chorauftritten anlegen. es ist das degenerierte epitom des preussischen stehkragens und auch bei schulphototermin unerlässlich, so man beweisen wollte das man aus einer 'ordentlichen' familie kam - oder in meinem fall einfach gezwungen wurde es zu tragen. ein says-it-all-accesoire. feel me?

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